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25 Jahre Priester: Karsten Riedl im Interview über Berufung, Zweifel und Dankbarkeit

Karsten Riedl feiert in diesem Jahr sein 25-jähriges Priesterjubiläum. Seit einem Vierteljahrhundert begleitete er Menschen in Spitälern, Hospizen, Pfarreien, im Jenseits und im Priesterpikett – stets mit offenem Herzen für jene, die oft übersehen werden.

Im Interview blickt er zurück auf seine Berufung, spricht offen über Zölibat und Zukunft des Priestertums und verrät, was ihn all die Jahre geprägt hat.

Lieber Karsten, Du bist nun 25 Jahre als Priester unterwegs. Wir gratulieren! Wie fühlt man sich dabei?

Es fühlt sich 25 Jahre älter an, etwas grauer, ruhiger, geduldiger – und vor allem ist Dankbarkeit für die vergangenen 25 Jahre spürbar.

Wenn Du 25 Jahre zurückdrehen könntest, würdest Du die gleiche Entscheidung wieder treffen?

Ich müsste weit mehr als nur 25 Jahre zurückdrehen, denn die Entscheidung war ein längerer Prozess, der bereits im Kindesalter wuchs. Aber ja, klares Ja, ich würde es wieder tun, katholischer Priester werden, an dieser Entscheidung gab es nie einen Grund zum Zweifeln.

Was hat Dich in diesen Jahren am meisten geprägt, und was gefällt Dir an Deinem Amt?

Ich habe in den vergangenen 25 Jahren alles an Schönem und Schwerem gesehen, was menschliches Leben mit sich bringt. Vieles davon konnte ich in Lehrbüchern nie vorfinden, um mich darauf vorzubereiten. Ich wurde anfangs ins kalte Wasser geworfen und konnte erstaunlich gut schwimmen. Ich war vielen Gefahren auf hoher See ausgesetzt und konnte diese erstaunlich gut meistern.

Geprägt haben mich die Menschen, denen ich auf meinen Wandertouren begegnet bin. Ich machte mich auf den Weg mit Menschen in Psychiatrien, in Spitälern, in Hospizen und Pfarreien. Auch die jahrelangen Einsätze im Priesterpikett nachts und an Wochenenden oder auch die Begegnungen während 10 Jahren mit jungen Menschen im «Jenseits im Viadukt» haben mich nachhaltig geprägt.

Ich hatte mir anfangs vorgenommen, Gott zu suchen, und fand ihn weniger hinter Kirchenmauern, sondern auffallend schnell in Krankenzimmern, bei den Randständigen, bei kritischen Zeitgeistern und vor allem bei denen, die von der breiten Masse ignoriert oder oftmals ausgegrenzt werden – zu denen zog es mich hin. Sie formten meine Sprache, meine Gebete und meinen Fokus.

Was hat Dich dazu bewogen, Priester zu werden?

Es gab nie einen konkreten Augenblick oder ein bestimmtes Erlebnis oder eine bestimmte Person, es war in mir schon immer gesetzt, Priester zu werden.

Ich wollte als Kind zeitweise Polizist werden, sogar als Sternekoch habe ich mich gesehen. Mein Verständnis für Gerechtigkeit und meine Leidenschaft für die Natur haben mich seit jeher begleitet. Heute bin ich von allem etwas: Ich helfe, das Leben der Menschen spirituell zu ordnen, gefahrenfreier durchs Leben in die Ewigkeit zu wandern, und lasse Menschen an den Erträgen meiner Kochkünste teilhaben, die Leib und Seele nähren.

Was würdest Du einem angehenden Priester raten?

Höre und vertrau deinem Herzen und leg dir einen Garten an, denn er gibt dir viele Antworten darauf, wie man mit zu viel oder zu wenig Sonne, mit Hagel, heftigen Winden und eben den Schattenseiten des Lebens umgeht. Vor allem lehrt einen der Garten, wie man mit Schnecken umgeht, die einem die beste Ernte wegfressen können.

Ist die Priesterweihe noch zeitgemäss?

Für den Auftrag der Kirche ist das Sakrament der Priesterweihe überlebenswichtig. Oft wird der Priester auf den viel diskutierten Zölibat reduziert. Für die Mehrzahl der Menschen ist das der entscheidende Grund, sich nicht weihen zu lassen. Wenn die Kirche es schafft, alternative Lebensformen zu respektieren und das Priestersein nicht auf das Mannsein zu degradieren, gäbe es eindeutig mehr Berufungen.

Die Zahl der Priesterweihen nimmt seit Jahren ab. Ist das Priestersein für Dich ein Auslaufmodell – oder siehst Du das anders?

Es ist ein Auslaufmodell, wenn zur primären Auswahl geeigneter Kandidaten lediglich das Mannsein gehört.

Es ist aber kein Auslaufmodell, wenn das brennende Herz eine Leidenschaft unterstützt, anderen unter die Arme zu greifen oder sie in schwierigen Lebensumständen nicht allein zu lassen. Christus hat sich nicht bedienen lassen, sondern diente mit einem brennenden Herzen. Dienen und lieben – für mich die zwei wichtigsten Worte, damit das Priestertum nicht zum Auslaufmodell wird.

Was wünschst Du Dir für die nächsten 25 Jahre?

Ich habe mir vieles nicht erträumt, was ich erreicht habe und täglich bewegen kann. So lasse ich mich auch in den nächsten Jahren überraschen, was mir der liebe Gott alles zutraut. Denn ich weiss: Gott hat ziemlich viel Humor.

Vielen Dank für das interessante Interview und wir wünschen Dir für die Zukunft alles Gute.

Pfarrei Erlöser Zürich