Sakristan Jose Kannanmannil ist nach über 16 Jahren in Pension gegangen. Im Interview bekommen wir viele Einblicke in Jose’s Arbeit. Was hat ihm beispielsweise besonders gefallen, was hat sich verändert in dieser Zeit?
Lieber Jose, wie lange warst du als Sakristan tätig, und was hat dich in die Kirche Erlöser gebracht?
Über einen Zeitraum von mehr als 16 Jahren war ich als Sakristan tätig. Tatsächlich lebe ich bereits seit insgesamt 44 Jahren in Deutschland und der Schweiz. Drei Jahre davon verbrachte ich in Deutschland und anschliessend zog es mich in die Schweiz. Während meiner Zeit hier habe ich in verschiedenen Berufen gearbeitet und mich als Buchhalter und Treuhänder weitergebildet. Eine meiner grössten Leidenschaften sind Zahlen, was mir sehr leichtfällt. Als Treuhänder hatte ich hauptsächlich mit Steuererklärungen, Buchhaltung und Sozialversicherungen zu tun.
Warum also Sakristan? Das ist eine schöne Geschichte. Nach meiner Ausbildung und verschiedenen Anstellungen habe ich mich selbstständig gemacht. Das war anfangs sehr herausfordernd, da ich drei Kinder hatte und gleichzeitig Kunden gewinnen musste. Ich hatte wegen den noch fehlenden Kunden daher noch viel Zeit übrig, um noch etwas machen zu können. Ich kannte den damaligen Pfarrer Othmar Kleinstein von der Kirche St. Theresia. So kam es dazu, dass ich dort mit einem reduzierten Pensum als Aushilfssakristan starten konnte. So begann alles.
Einige Jahr später bekam ich die Stelle als Sakristan mit Hilfe von dem ehemaligen Pfarrer Marcel von Holzen aus der Kirche Erlöser. Wahrscheinlich wäre ich ohne ihn niemals hier gelandet. Dank meiner Teilzeitstelle als Sakristan hatte ich einen sicheren Arbeitsplatz und konnte dennoch meine Kunden betreuen.
Was war das Besondere an deiner Arbeit und was hat sich geändert?
Die Kirche war und ist für mich ein wichtiger Ort. Dies wurde mir während meiner Tätigkeit so richtig bewusst. Es ist nicht einfach ein Arbeitsplatz. Für mich war die Arbeit immer ein Dienst an Gott
Ich hatte immer das Gefühl, dass ich durch meine Arbeit Gott nahe bin. Da meine Arbeitsstelle in der Kirche war, fühlte ich mich Gott auch immer sehr nahe und spürte eine tiefere Verbindung zu ihm. Wäre ich hauptsächlich als Selbständiger tätig geblieben, hätte ich diese Nähe zu Gott nicht in diesem Masse erleben können. Das war für mich immer etwas ganz Besonderes. Ich konnte an vielen Gottesdiensten mitwirken oder an Andachten, am Rosenkranz beten, mitfeiern und miterleben sowie auch Wortgottesfeiern gestalten.
Ich habe meine Arbeit stets mit grosser Freude und Leidenschaft und sehr zuverlässig erfüllt. All die Hochfeste, Nachtwanderungen. Obwohl es viel Arbeit gab, hat es mich immer fröhlich gemacht. Das Rosenkranzgebet gibt es heute leider nicht mehr in dieser Form. Früher wurde dieser zweimal wöchentlich, Mittwoch und Samstag, praktiziert. Das bedauere ich ein wenig. Früher kamen auch wesentlich mehr Leute in die Kirche, um die Beichte abzulegen. An Fronleichnam gab es eine Prozession mit bis zu 50 Menschen hier im Quartier. Die Zeiten haben sich geändert. Ich glaube die Veränderung liegt vor allem an den Gläubigen und auch daran, dass viel älter geworden sind oder gestorben. Ich durfte aber viele schöne Momente miterleben.
In meiner Arbeit habe ich mit 20 Priestern aus 10 verschiedenen Ländern zusammengearbeitet, darunter die Schweiz, Indien, Deutschland, Polen, Slowenien, Ghana, Nigeria, Philippinen und Ungarn. Natürlich waren sie als Aushilfe tätig. Ich durfte viel erleben und ich habe zum Teil noch immer Kontakt mit ihnen. Es waren auch immer alle sehr zufrieden mit mir und ich habe auch immer mit allen sehr gerne zusammengearbeitet. Anmerkung der Redaktion: Wenn es darum geht Aushilfen zu finden, ist José immer unser Mann. Er kennt so viele Priester und ist ungemein gut vernetzt. Er findet immer jemanden, der einspringen kann
Was würdet du deiner Nachfolger*in mit auf den Weg geben?
Die Kirche ist kein Schlossgarten, der zum Geniessen da ist. Die Kirche ist ein Gotteshaus und ist mit Arbeit verbunden und man braucht Verständnis. Die Kirche ist ein Ort zum Gebet, zur Bitte und zum Dank. Nicht nur zum Beten und Danken kommen die Menschen in die Kirche, sondern auch wenn sie in Not sind. Man muss viel Verständnis haben, denn man begegnet den unterschiedlichsten Menschen. Man muss auf die Menschen eingehen können.
Du bist nun in Pension. Was hast Du für ein Gefühl dabei? Was sind Deine Pläne für die Zukunft?
Einerseits bin ich traurig jetzt nicht mehr als Sakristan tätig zu sein und andererseits bin ich auch sehr glücklich. Immer, wenn ich in die Kirche kam, dankte ich Gott dafür. Mir wird der Arbeitsplatz Kirche sehr fehlen. Aber jetzt habe ich auch meine Ruhe und kann mehr Zeit mit meiner Frau und meiner Familie verbringen. Mehr zu spazieren und wandern ist mein Ziel.
Ich möchte die Schweiz gerne besser kennenlernen, am liebsten mit dem Zug. Früher konnte ich Weihnachten oder Ostern nie richtig mit meiner Familie feiern oder etwa mit meinen Kindern mittags essen gehen. Ich war immer in der Kirche bei den Hochfesten oder offiziellen Feiertagen. Dennoch habe ich es immer genossen. Ich werde meinen Arbeitsplatz sowie meine Tätigkeiten in der Kirche und alle Menschen hier sehr vermissen. Ich habe es aber auch immer genossen.
Lieber José, wir wünschen Dir für Deine Zukunft alles Gute!